Herbstgefühle

Rosenblatt am Weg

An die Scheiben klopft der Regen,
und in Kürze wird es schnein,
und frau geht dem Sturm entgegen
und spürt nicht den Sonnenschein.

Gelbbraunes Blatt auf Kiesweg

Und frau fragt sich, wie die Welt es
schafft, sich weiterhin zu drehn,
fehlt doch einer jeder Mut und
jede Kraft, es zu verstehn.

Welkes Birkenblatt auf weißem Kies

Und frau summt sich leise Lieder
über Durchhalten und Pflicht,
und frau weiß, mensch sieht sich wieder.
Irgendwann. Oder auch nicht.

Totes, zerfleddertes Blatt auf buntem Kies

Und frau lächelt, und frau plaudert,
und frau schreibt und funktioniert.
Bis frau stehnbleibt und erschaudert
und von innen her erfriert.

Toter Tannenzweig auf Kies

Und frau weint und schreit und wütet.
Niemand merkt es einer an,
während frau die Enkel hütet,
was man leider nicht mehr kann.

Wandern im Oktoberregen

Aus den Pfützen spritzt der Regen
und prallt ab an einem Stein.
Und frau rennt dem Frost entgegen.
Niemals mehr wird Sommer sein.

(Copyright Text und Bilder: Elke Speidel)

Veröffentlicht am 12. September 2017 in Allgemein, Gedichte und Liedtexte, Realismus, Reime und mit , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 12 Kommentare.

  1. Herbst ist nicht die leichteste Jahreszeit, egal, wie poetisch man ihn verpackt …
    Warme Grüße
    Christiane

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  2. Danke, diese Worte passen gerade auf einen Menschen, der mir nahe steht. Bislang konnte ich es nicht beschreiben. Herzlichen Dank dafür ❤

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  3. Wenn es um einen Trauerprozess geht, braucht sie vielleicht nur noch etwas Zeit.

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  4. Dann wünsche ich, dass er sie bald verlässt und sie wieder beziehungsfähiger wird.

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  5. Sehr viel Trauer steckt in deinen Zeilen. Der Herbst konfrontiert uns mit der Vergänglichkeit, ganz besonders schlimm im November.

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  6. Ja, da steckt mehr Trauer dahinter, als ein Herbst sie rein jahreszeitlich zu bieten hat.

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  7. Liebe Elke,

    wie gerne lese ich immer wieder deine kurzen Textstücke und freue mich, dass du so viel Inspiration findest und so viel zum Schreiben – für dich! – kommst.
    Ich wünsche dir, dass dich keiner zum Darüber-hinweg-Lächeln drängt, du aber beim Blick auf bunte Blätter und in die Augen deiner Lieben immer wieder und immer öfter von alleine lächelst.

    Herzliche Grüße
    Maike

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