Achtsamkeit rosa-grün verwurschteln

„Achtsamkeit“ – auch so ein Modewort, das Dr. Kranbacher nicht mehr hören konnte .

Worauf sie alles achten sollte!

Auf ihre Befindlichkeit, klar, darauf, dass sie den Kaffee als heiß und bitter empfand, wenn er heiß und bitter schmeckte, und nicht etwa an einen Abgabetermin dachte dabei, schon gar nicht an den Abgabetermin für ihren „launigen“ (!) Blogbeitrag heute Mittag .

Auf ihre arthritischen Schmerzen im linken Daumen – sollte sie die vielleicht bewusst genießen, oder was?

Oder auf das blumige Vintage-Muster der Bluse (rosa-grün!), die ihre Nachbarin am Kaffeehaustisch gegenüber trug, unter dem zartlila-knallgelben Stilltuch, das ihren Säugling und ihre Brust vor den Augen der neugierigen Welt nur halb verstecken konnte?

Auf die Regentropfen vielleicht auch noch, die an die schaufenstergroßen Fensterscheiben des Kaffeehauses prallten und resigniert daran hinunterflossen?

Auf den Autostrom, der lärmend und stinkend die sechsspurige Straße hinauf- und hinunterdonnerte, die nur einen schmalen Gehweg vom Kaffeehaus entfernt vorüberführte?

Oder doch auch darauf, dass sie gerade keinen Schnupfen hatte (ihre Nase war herrlich frei), keinen Beziehungsstress (ihrem Partner hatte sie vor einem halben Jahr den Laufpass gegeben), keinen Ärger mit trotzigen Pubertieren (ihr Jüngster absolvierte gerade sein Anerkennungsjahr in einem Kindergarten 500 Kilometer weiter weg), keinen Leberschaden (soweit sie wusste) und auch keinen schimpfenden Hausmeister im Nacken?

Hm – das Croissant schmeckte gar nicht übel, und plötzlich hatte sie DIE zündende Idee.

Sie würde einfach die ganzen ätzenden Achtsamkeitsappelle in ihrem Blogbeitrag verwurschteln, das war doch mal „launig“ – oder etwa nicht?

(Mit einem Dankeschön an Christiane für ihre Einladung zu den abc-Etüden, diesmal die Nummer 1 mit den Wörtern „Achtsamkeit“, „rosa-grün“ und „verwurschteln“, die wie immer in maximal 10 Sätzen unterzubringen waren. Die Fortsetzung meiner abc-Etüden „Potz Blitz!“ und „Konter im Beichtstuhl“ folgt, sofern ich es schaffe, im Lauf der Woche.)

Über Elke H. Speidel

ist Publizistin und Soziologin und arbeitet als Fachautorin, gelegentlich auch als Schriftstellerin, Lebenswegberaterin oder Wissenschaftslektorin.

Veröffentlicht am 20. September 2017 in Allgemein, Kürzestgeschichten, Lustige Geschichten, Realismus und mit , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 11 Kommentare.

  1. durchaus! Beste Schmunzel-Grüße Gerda

    Gefällt 1 Person

  2. Genau, und ich habe jetzt schön achtsam die Sätze gezählt und dabei Kaffee getrunken und über den Verbleib der Katze gerätselt (stand vor dem Fenster, dann fressend, dann schnurrend, demnächst vermutlich schlafend).
    Alle reden über Achtsamkeit, keiner praktiziert sie. Ich finds echt interessant, was die Blogbeiträge so ans Licht holen.
    Liebe Grüße
    Christiane

    Gefällt 2 Personen

  3. Genial, wie du das miteinander verwurschtelt hast 😆 !

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  4. Danke für die „Blumen“, liebe Anna-Lena!

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  5. „die ganzen ätzenden Achtsamkeitsappelle in ihrem Blogbeitrag verwurschteln, das war doch mal „launig“ – oder etwa nicht?“ und sich dabei wunderbar fühlen 🙂
    Hallo Elke, vielen Dank für deine Geschichte.
    Lieben Gruß
    Herbert

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  6. Monika-Maria Ehliah

    Liebe Elke ich grüße dich!
    Ich habe mir nun deinen Beitrag, den du freundlicherweise im Kommentar unter meinem Beitrag verlinkt aufmerksam gelesen.
    Ich bin durchaus ein Mensch, der Humor versteht und auch gerne lacht, lächelt, schmunzelt.
    Nun Elke, ich erlaube mir nun hier, dir gegenüber so ehrlich zu sein,
    (Ehrlichkeit fällt meines Erachtens auch unter das Thema Achtsamkeit) und dir meine Meinung dazu mitzuteilen.

    Ich empfinde dieses Thema ein Wichtiges und höchst Erachtenswertes.
    Demzufolge kann ich diesem, deinen „launigen“ Beitrag dazu keineswegs zustimmen,
    oder etwa belächeln. Das Thema ist zu ernst, zu weitgreifend und zu tiefsinnig um derart abgearbeitet zu wissen.
    Das ist meine Meinung.

    „„Achtsamkeit“ – auch so ein Modewort“ ….
    Achtsamkeit ist keine Modewort, sondern eine Lebenseinstellung.
    So empfinde ich es!

    Elke, ich wünsche dir eine gute, gesegnete Zeit in der Hoffnung,
    dass du bei „Herz & Verstand“ von diesem !Ätzenden! Monatsthema nicht all zu sehr genervt bist.
    Mit lieben Grüßen und den besten Wünschen
    M.M.

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