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Der erste Brief

„Gänse sind das, Gänse, mein Mädchen. G-ä-n-s-e. Gigaga machen die.“

„Giga.“

„Ja. Gi-ga-ga. Magst du es der Oma schreiben, dass wir die gesehen haben?“

„Sseiben.“

„Der Oma?“

„Oma. Oma sseiben!“

„Fein. Was schreiben wir noch?“

„Liebe Oma?“

„Genau. Liebe Oma – magst du es auch dem Opa schreiben?“

„Opa.“

„Gut. Liebe Oma, lieber Opa …“

„Wir haben Giga-giga-giga?“

„… Gänse gesehen, in der Pfütze vor unserem Küchenfenster …“

„Nein!“

„Nein? Was nein? Warum denn nicht? Da sind doch die Gänse, und es regnet, und sie baden in der Pfütze?“

„Nein. Will nicht!“

„Aber was willst du dann?“

„Liebe Oma …“

„… und lieber Opa?“

„… Opa …“

„Und dann?“

„Wir haben …“

„Wir haben?“

„Giga-giga-giga! Fättich aus! Von Mama und Maus.“

„Von Erika und Mama?“

„Sstimmt. Fättich aus. Ssumachen. Ssumachen und wegdamit!“

(Diese Geschichte entstand als Reizwortgeschichte während eines Schreibworkshops bei der Lektorin und Schreibtrainerin Maike Frie in Münster. Es gab mehrere Reizwörter, gewonnen aus einem Schreibspiel ähnlich dem Spiel „Stadt-Land-Fluss“. Die Wörter durften, mussten aber nicht alle verwendet werden. Ich wählte in diesem Fall das Wort „Gänse“.)