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Dörfliche Idylle

Die Schräge des Krüppelwalmdaches war unter dessen Krümmung kaum mehr wahrnehmbar. Eingedrückt wie ein benutzter Karton duckte es sich in die verdorrten Wildpflanzen, die einmal ein Garten gewesen sein mochten. Oder auch nicht – keine Pflanzenart deutete darauf hin, dass irgendwer sie irgendwann bewusst kultiviert hätte, und jetzt, nach den Dürresommern, die sich in den letzten Jahren gehäuft hatten, ohne von Frühjahrsregen eingeleitet oder von Herbstfeuchte abgelöst zu werden, jetzt gab es außer ein paar Disteln praktisch gar nichts mehr in der rissigen Erde.

Brennend stachen die Sonnenstrahlen in das Glas der zerbrochenen Fensterscheiben, das in tausend Splittern vor der bröckelnden Fassade lag, ohne irgendwen zu interessieren. Ab und zu hatten noch Nicu und Aurica hier gespielt, früher, weil sich die Disteln so schön köpfen ließen, aber jetzt waren die Disteln vertrocknet, kopflos und ohne jeden Restnutzen.

Nicu, der vierte Sohn der Nachbarin zur Linken, die seit Jahren am Friedhof ruhte, hatte in der benachbarten Kleinstadt als Gelegenheitsarbeiter einen Job gefunden, lebte seit ein paar Monaten mit Zamora zusammen und konnte mit ihrer Hilfe tatsächlich meistens die Miete für die Zweizimmerwohnung im Souterrain des Hochhauses bezahlen, weil sie abends, wenn ihre drei Kinder schliefen, Bürogebäude putzte.

Aurica, die letzte überlebende Enkelin des Nachbars zur Rechten, der ebenfalls schon längst das Zeitliche gesegnet hatte, vegetierte irgendwo in einer Großstadt in Westeuropa und vermietete ihren Körper an interessierte Freier. Sie tat es nicht gern, aber wusste nicht, wie sie sonst hätte überleben sollen, zumal der Schlepper, der ihr eine Stelle aus Haushalts- und Familienhilfe versprochen hatte, ihr den Pass gestohlen hatte und sich weigerte, ihn herauszugeben. Schließlich hatte sie ihren kleinen Sohn zu versorgen, dessen Erzeuger ein Freund des Schleppers war, der Aurica gleich nach ihrer Ankunft vergewaltigt hatte.

Das Leben war nicht einfach, nicht nur in dem Dorf, in dem die beiden Nachbarskinder aufgewachsen waren, und in dem jetzt drei Häuser nebeneinander verfielen, von allen anderen in der Hausreihe ganz abgesehen.

(Die drei zu verarbeitenden Wörter „Schräge, brennend, köpfen“ hat diesmal Gerda für die Zehn-Satz-abc-Etüden gespendet, zu denen wie immer Christiane eingeladen  hat.)

Abschiedsminuten

Wilhelm stand mit dem Gesicht zum Fenster im Abschiedsraum des Universitätsklinikums und beobachtete ein Pfauenauge, ein Tagpfauenauge, um genau zu sein, das sich auf die schwarze Fensterbank verirrt hatte, und er beobachtete sich selbst dabei, dass er überlegte, ob es ein Falter der ersten Generation sein mochte – Juni bis August – oder einer der zweiten – August bis Oktober.

Es hatte keine Bedeutung.

Nichts hatte mehr eine Bedeutung, seit die Ärztin ihm die Plastiktüte mit Susannes Ehering übergeben hatte. Sie war nicht versiegelt, die Tüte, nur mit einem von diesen wiederverschließbaren Verschlüssen geschlossen worden, sie hatte sich ganz leicht öffnen lassen und lag jetzt leer auf der Innenseite der Fensterbank, von dem verirrten Pfauenauge nur durch das Isolierglas des Fensters getrennt. Es war kalt im Abschiedsraum, wenn auch nicht so kalt, wie es in dem Raum auf der Intensivstation gewesen war, in dem das namenlose medizinische Personal Susannes Temperatur so kühl wie möglich zu halten versuchte, um mit Hilfe des künstlichen Komas vielleicht noch irgendwelche Funktionen und Organe retten zu können.

Vergeblich.

Wilhelm konzentrierte sich eine Weile auf das Surren der Klimaanlage, während er registrierte, wie ein grauhaariges Pärchen Hand in Hand den Kiesweg des Krankenhausparks entlangspazierte. Nie mehr würde er mit Susanne so schlendern können, nicht einmal im Rollstuhl könnte er sie mehr schieben, wie er es noch vor fünf Stunden irrsinnigerweise gehofft hatte. Ab und zu kam die Augustsonne hinter einer flauscheweichen Wolke hervor, schickte blendende Strahlen zum Schmetterling und spiegelte sich in Susannes Ring, der jetzt an Wilhelms kleinem Finger steckte.

„Ich bin soweit“, sagte er nach einer gefühlten Ewigkeit zu niemand im Besonderen (es war niemand da) und nahm leicht verwundert wahr, wie er sich umdrehte, die sechs Schritte zur Tür hinter sich brachte, Susannes Hülle ein letztes Mal auf sich wirken ließ und, Fuß vor Fuß setzend, den Krankenhausflur entlang zum Ausgang strebte.

(„Pfauenauge, versiegelt, schlendern“ spendete diesmal Natalie für die abc-Etüden, zu denen Christiane eingeladen hat. Drei Wörter, aus denen wie immer in zehn Sätzen eine Geschichte zu basteln war. Lieben Dank an beide!)

Fremdes Jetzt

Als Harald den Garten wiedersah, nach über 60 Jahren, war es kein Garten mehr, und statt Beeten voller Bartnelken und Pfingstrosen, Gartenmargeriten und Sonnenhut, Schneeball-Hortensien und Phlox gab es nur noch eine spärlich begraste Wiese mit einzelnen Pimpinellen, weißem Klee, Löwenzahn, Spitzwegerich, Huflattich und Gänseblümchen. Auch der Himmel war nicht so tiefblau, wie er ihn die ganzen Jahrzehnte über in seiner Erinnerung gespeichert hatte, kein Grillenzirpen stand in der windstillen Sommerluft, keine Sperlinge zankten sich unter der rissigen Holzbank, deren grüne Farbe irgendwann mit rot übermalt worden, jetzt aber nur noch als abblätternde Kleckse auf grauem Naturgrund erkennbar war. Der Augusttag war im Gegenteil so kalt und stürmisch, so wolkengrau und nass, wie Harald nie gedacht hatte, dass ein Sommernachmittag in dem Dorf sein könnte, das er vor so langer Zeit verlassen hatte.

Der gebeugt dastehende, magere Mann mit dem zerfurchten Gesicht zog die Kapuze seiner Windjacke etwas fester zu, versuchte den Knirps-Regenschirm so in den Sturm zu halten, dass er nicht durch dessen Kraft umgedreht wurde, schaffte es nicht, schloss das nutzlose Ding und stopfte es in seine Jackentasche. Er hörte den Regen aus der halb herabhängenden Dachrinne auf die bröckelnde Zementtreppe glucksen, sah dem Rinnsal zu, dass sich zwischen den Grasbüscheln durchschlängelte, von denen die Treppe durchsetzt war, zog die Schultern fröstelnd zusammen und bemerkte mit einem Anflug von Melancholie ein einsames Moosröschen dazwischen, eines von der Sorte, die seine Großmutter so geliebt und in ihrem Steingarten gehegt und gepflegt hatte.

Das Haus seiner Kindheit, das die Eltern damals an irgendeinen reichen Unbekannten verkauft hatten, der sein Geld mit Gott-weiß-was-für Geschäften auf kaum legale Art erworben hatte, lag leer und verfallen hinter dem zusammengebrochenen Gartenzaun, der die verwilderte Wiese noch teilweise umgab und so das Grundstück markierte, das derzeit keinem Menschen zu gehören schien.

Die alte Birke stand nicht mehr an ihrem Platz, auch der Nussbaum war verschwunden, nur einige der Apfelbäume kämpften gegen die Witterung, die meisten grau, vertrocknet und unbelaubt. Ein Fliederbusch war noch da, ein einzelner, übrig geblieben aus der dichten Fliederhecke von einst, und seine Äste peitschten nass gegen die Mauerreste, die das Grundstück von der Brache trennten, auf der damals das Haus der Nachbarin gestanden hatte, in die er als Junge – er lächelte, ohne es zu merken – heimlich verliebt gewesen war.

Harald strich sich das Wasser aus dem Gesicht, stützte sich schwer auf seinen Gehstock und mühte sich durch den Matsch zurück zur gepflasterten Straße, auf der er sein luxuriöses Wohnmobil abgestellt hatte,  mit dem er seit Hermines Tod allein durch die Weiten Europas fuhr, weil er nicht irgendwo daheim im Bett nicht mehr aufwachen wollte, wo es noch unwahrscheinlicher war, dass ihn jemand fand, als auf irgendeinem Parkplatz an der Straße eines einsamen Weilers. Er wusste nicht, ob es damals richtig gewesen war, den Ort zu verlassen, an dem er groß geworden war, aber er wusste, dass er nie wieder zurückkommen konnte (oder wollte), dass es niemals ein Zurück gab, weil nichts so blieb, wie es gewesen war, und weil das, woran er sich erinnerte, dieser Mix aus Zeit und Ort und Menschen, nur in seinem Kopf existierte, schöner und klarer und blauer und wärmer und lebendiger und jünger, und dort, in seinen Gedanken, genauso bleiben würde, wie es war, solange er lebte.

(Mit einem Dankeschön für ihre Schreibeinladung an Christiane und für die aktuelle Wortspende an Petra Schuseil. Die drei Wörter, die zu zehn Sätzen zu verbinden waren, lauteten diesmal „Pimpinelle, stürmisch und glucksen“.)

Schwarze Tasten

Herr Murrmann hatte schon lange aufgehört, die Trauerreden zu zählen, die er gehalten und die Nachrufe zu sammeln, die er geschrieben hatte. So manche Stilblüte fand er in den Entwürfen, die ihm verzweifelte, geschockte, erleichterte, traumatisierte, gleichgültige oder erbgierige Hinterbliebene zum Redigieren überließen.  Der Tod, das wusste Herr Murrmann als professioneller Trauerredner und -texter besser als viele andere, war nichts Besonderes, er war banal, gewöhnlich, alltäglich, jeder Mensch starb irgendwann und fast jeder Mensch sah irgendwann den liebsten Menschen sterben, den Menschen, der nie hätte sterben sollen, den er wider alle Vernunft tiefinnerlich für unsterblich gehalten hatte, und der doch verging, wie wir alle vergehen.

Herr Murrmann brachte es fertig, an einem Tag mehrere Trauerfeiern mit einfühlsamen Worten zu begleiten, zusätzlich zwei bis drei Trauertexte zu verfassen und anschließend bei der Chorprobe des Männergesangsvereins jodeln zu üben. Er war eben ein Profi. Ein Profi durch und durch. Ein Profi der Trauerarbeit, auch als Trauerbegleiter stets gut ausgebucht, nicht umsonst hatte er Psychologie und Theologie studiert und sich in zahlreichen Spezialkursen weitergebildet.

Und jetzt saß er da, in seiner schwarzen Berufskleidung, vor den schwarzen Tasten seiner Computertastatur, und starrte hinaus in den sonnigen Tag, der so herrlich sommerlich blieb, wie die ganzen letzten Wochen es gewesen waren, so hell und warm, als wäre nichts geschehen, als wäre die Welt gestern nicht in Stücke gebrochen, als könne alles weitergehen, einfach so, obwohl nichts mehr so war wie vorgestern noch. Warum konnte er nicht einfach einen schönen Text verfassen wie neulich für Frau Müller, oder letzten Monat für Herrn Meierbier, oder kurz nach Silvester für die kleine Elsa?

Er fand keine Antwort darauf, und er suchte sie auch nicht, denn alles, was ihn noch ausmachte, war die Frage danach, wie es jetzt weitergehen sollte, weitergehen könnte, weitergehen musste – ohne Heidrun, die er für sich seit dem Tag seiner Hochzeit mit ihr nie anders genannt hatte als Frau Murrmann.

(Mit einem Dankeschön an Christiane für ihre Einladung zu den abc-Etüden, diesmal die mit den Wörtern „Stilblüte“, „banal“, „jodeln“, die wie immer in maximal 10 Sätzen unterzubringen waren.)

Potz Blitz!

Maria saß auf einer Gewitterwolke, baumelte mit den Beinen und polierte lustlos ihren Heiligenschein.

Das Tuch, mit dem sie das tat, war so zerfleddert, dass es an vielen Stellen nur noch von einzelnen Fäden zusammengehalten wurde.

Weil es trotz ihrer sieben Dringlichkeitsanträge an die Untere Himmelsbehörde kein neues Tuch gab, hatte Maria die Frequenz ihrer Reinigungsversuche stark eingeschränkt und deren Intensität auf ein Minimum heruntergefahren.

Aber gestern bei der jahrhundertlichen Hauptversammlung hatte sie mal wieder Ärger gekriegt (von Petrus, dem alten Pedanten, der sich überall einmischte), weil ihr Heiligenschein so matt geworden war, dass er von der Erde aus nicht mehr wahrgenommen werden konnte.

Wie auch anders?

Putzmittel waren verboten, sie zerstörten das Klima und galten folgerichtig als Teufelszeug.

Kein Wunder also, dass die Unterweltlichen leuchteten wie Gewitterblitze!

Wieder zuckte einer von ihnen an Maria vorbei, so nahe, dass sie fast getroffen worden wäre, hätte sie nicht geistesgegenwärtig ihren Lichtkranz als Schutzschild benutzt.

Verblüfft betrachtete sie den Reif in ihrer Hand, stellte das Polieren ein und platzierte das Ding wieder über ihrem Kopf, denn es glänzte plötzlich wie hellerlichtes Gold!

Maria lehnte sich erleichtert ins Grau ihrer Wolke zurück, räkelte sich im warmen Regen, so entspannt wie seit Jahrhunderten nicht mehr und dachte: ‚Wenn Petrus das wüsste‘ – aber sie würde den Teufel tun und es ihm erzählen!

(Mit einem Dankeschön an Christiane für ihre Einladung zu den abc-Etüden, diesmal mit den Wörtern „Heiligenschein“, „Frequenz“ und „erleichtert“, die wie immer in maximal 10 Sätzen unterzubringen waren. Es handelt sich um die Einladung für letzte Woche, in der ich leider nicht zum Schreiben gekommen bin. Morgen folgt hoffentlich die Geschichte, die diese Woche eigentlich dran ist.)

Leere

Das Meer holte weißgrünen Schaum aus der Unendlichkeit, zerschmetterte ihn an den Felsen und pinselte daraus abstrakte Muster in den Ufersand. Gott war ein Wassermaler. Es gab keine Zeit. Kein Jetzt, kein Nachher, kein Gestern, kein Morgen, kein Später und kein Irgendwann. Es gab nur die Ewigkeit.

Einen Urlaub lang.

Irgendwo weit hinten – sehen konnte ich ihn nicht – lag Maximilian, in dem Liegestuhl, den er heute Morgen unserer Privatvermieterin abgebettelt hatte. Vermutlich döste er. Falls er nicht noch dabei war, eines der Sudokus zu lösen, die er in Überzahl in unseren Koffer gestopft hatte. Sonst war da nichts. Kein Haus, kein Auto, kein Kiosk, kein Mensch, keine Muschel, keine Qualle, nicht einmal eine Möwe. Himmel und Wasser spielten mit der Hitze Federball. Der Himmel warf sie aufs Wasser, das Wasser warf sie zurück. Wieder, wieder und wieder. Die Luft stand flimmernd am Horizont und wartete vergeblich auf den Seewind, der sie über Meer und Land verwirbeln würde wie ein Ventilator.

Gern hätte ich meine Badelatschen ausgezogen, aber der Sand war zu heiß dafür. Ob die Kinder in Annegrits Schule, tausende Kilometer von hier, jetzt hitzefrei hatten? Egal. Annegrit hatte kein hitzefrei mehr. Und keine Ferien. Und sie würde nie wieder die Schule schwänzen, um durch den Regen zu rennen. Die Schwimmflügel, die ich ihr letzten Sommer gekauft hatte, in ihrer Lieblingsfarbe Neonpink, lagen originalverpackt in ihrem Kinderzimmer.

Ich presste die Lippen zusammen, fuhr mir mit der Zunge über die Mundwinkel und schmeckte Salz. Wie ich die Sonne hasste! Diese Sonne, die wie ein künstliches Höhenfeuer auf die Erde herunterbrannte, ein Höhenfeuer ohne Knistern, ohne Qualm, ohne Ende.

Annegrits Zimmer war abgeschlossen und würde es bleiben. Bis irgendwann … aber … es gab ja kein Irgendwann mehr. Kein Auto. Keinen Kiosk. Keine Annegrit. Nie wieder würden ihre Sommersprossen um ihre Stupsnase tanzen, wenn sie verschmitzt versuchte, Maximilian und mich gegeneinander auszuspielen, um trotz aller Verbote an ihre Gummibärchen oder ihr abendliches Ballspiel zu kommen.

Ich fror plötzlich und wickelte mir mein Strandkleid fester um die Schultern. Irgendwo schrie ein Kind. Irgendwo, aber nicht hier. Und nicht heute. Ich drehte mich landwärts und folgte den Spuren meiner Badelatschen zurück durch den glühenden Sand. Es gab keine Zeit. Kein Jetzt, kein Nachher und kein Irgendwann.

Das Meer holte weißgrünen Schaum aus der Unendlichkeit, zerschmetterte ihn an den Felsen und pinselte daraus abstrakte Muster in den Ufersand. Gott war ein Wassermaler.

Und nein, ich verstand ihn nicht.

(Mit Dank an „Christiane“ für die Anregung, aus den zehn Wörtern Badelatschen, Hitzefrei, Höhenfeuer, Liegestuhl, Qualle, Qualm, Schwimmflügel, Sommersprossen, Ventilator und Wassermaler einen Text zusammenzusetzen, in dem Regen eine Rolle spielt; diese Geschichte ist mein vierter Versuch dazu.)

Neuanfang

Veronika stopfte die Badelatschen ihres Mannes in den blauen Müllsack neben der Eingangstür, in dem schon die quietschgelben Schwimmflügel von Marion und der kaputte Ventilator lagen. Sie strich sich eine widerspenstige graue Strähne aus dem Gesicht und stellte dabei erstaunt fest, dass die tiefen Furchen, die von ihren Augen zum Mund hin führten, nass waren wie kleine Rinnsale. Sie merkte schon lange nicht mehr, wenn sie weinte.

Eigentlich war sie froh, die Badelatschen loszuwerden. Schon vor Jahren (oder waren es Jahrzehnte?) hatte sie ihren Mann bei jeder Altkleider-Aufräumaktion gebeten, die Schuhe dazuzulegen. Deren Farbe war verblichen, das Material (billiges Plastik) vor Altersschwäche spröde und rissig geworden. Aber Joachim hatte sich nie von Schuhen trennen können. Eine Schwäche, die Veronika immer gehasst hatte. Und die sie jetzt vermisste, oh, so sehr … noch einmal diesen Streit, bitte, noch einmal, nur noch einmal!

Es war ein dummer Wunsch. Das Leben hatte Joachim endlich von den Schuhen und von so vielem anderen getrennt, das er nicht hatte loslassen wollen. Erst war er vom Läufer zum Rollstuhlfahrer geworden, hatte die Badelatschen nur noch angucken können, voller Wehmut und Selbstquälerei. Dann wurde aus dem aktiven Rollstuhlfahrer ein passiver Rollstuhlnutzer. Vor einem Jahr, vier Monaten und 22 Tagen hatte Veronika seinen letzten Wunsch erfüllt und seine Asche ins Meer streuen lassen. Wie absurde Sommersprossen hatten die schwarzgrauen Körnchen eine Weile auf den gleißenden Wellen getanzt, ehe sie in die Tiefe gesunken waren.

Aus.

Vorbei.

Auch Marion würde an ihren Schwimmflügeln nie wieder Interesse zeigen, an diesen Gummidingern, die keine zehn Minuten mehr die eingepumpte Luft halten konnten. Veronika sah Joachim und das Kind damit im Uferwasser planschen, in den Gischt brechender Wellen springen, hörte Marions Jauchzen und Joachims beruhigend tiefe Stimme, wenn Marion vor Angst brüllte, weil sie eine Qualle gesichtet hatte, freute sich, wenn er sie in seinen starken Armen auffing und mit ihr zum Liegestuhl gerannt kam, dass um sie herum das Wasser nur so spritzte. Zu dem Liegestuhl, in dem Veronika saß und ihren Studienbrief bearbeitete. Zu dem Liegestuhl, den gestern der Sperrmüllwagen abgeholt hatte.

Was Marion wohl im Moment tat und dachte? Zum Glück hatte sie nicht den Typen geheiratet, den Veronika insgeheim immer den „Wassermaler“ nannte, weil er ihr so windig vorkam wie der Schneider, der weiland dem berühmten Kaiser die neuen Kleider verpasst hatte, die niemand sah. Ein Luftikus, der mit immer neuen „Projekten“ ohne Inhalt viel Geld verdienen wollte und es niemals tat. Viel Qualm um nichts. Rauch ohne Flammen.

Irgendwo in Südamerika war Marion stattdessen gelandet, Veronika wusste nicht einmal das Land. Irgendwo in einem Dorf im Urwald, in dem es weder Internet noch Telefon, weder Strom noch eine Poststation gab. Missionarin war sie geworden, der kleine Wildfang, ausgerechnet. Nur ganz selten erhielt Veronika über ihre Zentrale eines dieser Rundschreiben, in dem sie aller Welt (und darunter auch ihrer Mutter) erzählte, was sie in den letzten Monaten erlebt hatte. Und immer ging es dabei um die Menschen in ihrem Dorf, ihre Krankheiten, ihren Alltag, ihren Glauben. Nie um Marion selbst. Ob sie inzwischen einen Partner hatte? Kinder vielleicht? Oder eine Partnerin? Ob sie noch lebte? Veronika wusste es nicht.

Sie wusste nur, dass Marion nicht zurückkommen würde, obwohl es niemals einen ernsthaften Streit zwischen Mutter und Tochter gegeben hatte. Sie hatte sich nur eben für diesen seltsamen Lebensweg entschieden, und Veronika hatte sich damit abfinden müssen. Marion und die Tropen. Eine abwegige Vorstellung – und doch Realität. Wie sehr hatte Marion immer unter zu heißen Sommern gelitten! Wenn es in der Schule „hitzefrei“ gab, verkroch sie sich im kühlen Keller, mit einer Tüte voller Butterkekse und einer Karaffe mit Wasser, in die sie die gesamten Eiswürfel aus dem Gefrierschrank warf, und einem Abenteuerroman zweifelhafter Qualität, den die Mutter lieber nicht sehen sollte. Auf Spanisch oder Portugiesisch. Damit die Eltern nicht beurteilen konnten, was sie las.

Veronika betrachtete die blutrünstig aussehenden Titelseiten der zerlesenen Taschenbücher und schichtete sie in den Karton zu dem übrigen Altpapier. Gehäckselte Kontoauszüge, Uralt-Steuererklärungen, Liebesbriefe von Joachims erster Frau aus der Zeit vor seiner ersten Ehe, Mietverträge für Wohnungen, die seit dreißig oder mehr Jahren von anderen bewohnt wurden, Studienunterlagen, Schulhefte, Postkarten aus aller Welt, zerfledderte Notenblätter. So vieles sammelte sich an, wenn der Platz dafür vorhanden war.

Aus.

Vorbei.

In Zukunft würde Veronika keinen Platz mehr für das ganze Zeugs haben. Nur das Nötigste durfte mit. Nie wieder Hitzefrei. Dort, wo sie hinging, gab es kein Meer, keine Terrasse, keinen Balkon, keinen Garten, keinen Sommer. Nur Eis und Schnee. Und zwei hoffentlich gut beheizte Zimmer, eines zum Wohnen, eines zum Arbeiten. Ohne Mobilfunk. Ohne Festnetzanschluss. Nur ein Hubschrauber würde einmal wöchentlich landen, um die Post einer Woche mitzubringen (hoffentlich manchmal auch eine Nachricht von Marion!) und ihre Arbeitsergebnisse der letzten Tage zu ihren Auftraggebern zu befördern.

„Es ist nicht viel anders als bei meiner Tochter“, hörte sich Veronika zum Capo des Entrümpelungsunternehmens sagen, der gerade neben ihr Kaffeepause machte. „Nur kälter. Viel kälter. Und nicht so religiös. Aber sonst …“ Der Capo sog an seiner Zigarette und schwieg. Sollte er doch. Der Qualm würde Veronika nicht mehr lange stören.

Draußen prasselte der Regen auf den Asphalt, sprühte aus den Pfützen wolkenwärts, tanzte schnürend im Wind. Die Pappeln verneigten sich und winkten mit den Ästen, als wollten sie sich von Veronika verabschieden, während die sich vom Taxi zum Flughafen fahren ließ. Oben auf den Hügeln entlang des Weges hatten die Höhenfeuer Mühe, sich gegen das herabströmende Wasser zu behaupten.

„Das war’s dann hier“, sagte Veronika zu der Taxifahrerin, ehe sie ausstieg und zum Gate ging. Noch einmal machte sie sich auf ins Unbekannte, zu einem großen, letzten Abenteuer. Warum auch nicht? Sterben konnte sie überall gleich gut.

(Mit Dank an „Christiane“ für die Anregung, aus den zehn Wörtern Badelatschen, Hitzefrei, Höhenfeuer, Liegestuhl, Qualle, Qualm, Schwimmflügel, Sommersprossen, Ventilator und Wassermaler einen Text zusammenzusetzen, in dem Regen eine Rolle spielt; diese Geschichte ist mein dritter Versuch dazu.)

Feuerwasser

Ioana sah wieder einmal zum Himmel hinauf. Stahlblau wölbte er sich über das zundertrockene Land. Keine Wolke in Sicht. Sie ging zurück ins Haus, schloss die Terrassentür, sperrte die brüllende Hitze aus.

„Wie ist die Wetterprognose?“, fragte sie ihren Bruder zum siebtenmal. Sie hatten schon seit zwei Wochen hitzefrei, bei Temperaturen über 40 Grad konnte in dem kleinen Betrieb kein Mensch arbeiten. Zumal es dort keine Klimaanlage gab.

Mihail zückte das Handy, wischte mit dem Finger über den kleinen Bildschirm.

„Mist! Kein Netz!“ Er schüttelte das Gerät, als könne er dadurch die Verbindung herstellen.

„Lass das!“, sagte seine Schwester genervt. „Mach lieber den Fernseher an, gleich müssen Nachrichten kommen.“

Während Mihail nach der Fernbedienung suchte, änderte sich irgendwas am Geräusch des Deckenventilators. Das Surren wurde leiser, unregelmäßiger, stockte. Ungläubig starrte Ioana hoch zur Zimmerdecke. Kein Zweifel – der Ventilator stand still.

„Stromausfall“, stellte ihr Bruder fest, als er vergeblich mit der Fernbedienung hantierte.

„Auch das noch!“

Sie schlüpfte aus ihren Badelatschen und versuchte, ihre Füße in der lauwarmen Brühe des Plastik-Planschbeckens zu kühlen, das sie ins Zimmer geholt hatte, damit es auf den glühenden Steinen des Terrassenbodens nicht schmolz, so wie die Schwimmflügel sich aufgelöst hatten. Es gelang ihr nicht recht. Die Eiswürfel, die sie aus dem Gefrierfach genommen und in das Becken geworden hatte, waren längst geschmolzen.

Als sie die Füße wieder auf die Terracottafliesen setzte, zuckte sie zurück, verzog das Gesicht vor Schmerz und angelte nach den Badelatschen. Mihail versuchte sich derweil als Wassermaler, tropfte aus einer grünen Flasche Muster auf die Fliesen, sah zu, wie sie sich änderten, dünner wurden, verschwanden.

„Wir werden hier noch lebendig gebraten“, murmelte Ioana. Ihr Bruder brauchte ihr Gejammer nicht zu hören. Der war ohnehin geladen bis zum Gehtnichtmehr, und auf seine Explosion aus Schimpfwörtern konnte sie gut verzichten. Sie kuschelte sich im Liegestuhl zusammen und versuchte, die heißen Plastiklehnen nicht zu berühren. Aus ihren Sommersprossen schien Schweiß zu quellen wie aus einem porösen Schlauch.

Über die Terrasse hinweg beobachtete sie den Wald und betete, dass kein Tourist dort im Vorbeifahren eine Zigarette aus dem Fenster werfen möge. Durch den Wald führte die Europastraße, die in der warmen Jahreszeit viel befahren war. Touristen waren seltsame Leute. Nicht einmal die Quallenplage hielt sie davon ab, im Sommer her zu kommen. Bah! Fast wäre Ioana heute Vormittag auf eine Qualle getreten. Zu Hunderten lagen sie in den Sanddünen, seit die Lagune verdunstet war, und verbreiteten einen Höllengestank.

Besorgt prüfte sie wieder den Wald mit den Blicken.

„Da!“ Sie zeigte mit ausgestrecktem Arm in Richtung der Hügelkette. Qualm schlängelte sich ins Stahlblau, eine dünne, windzerzauste Rauchsäule stieg aus dem Wald auf. Dann schlugen Flammen aus dem Laub, leckten am wolkenlosen Himmel, breiteten sich aus, fraßen sich weiter ins Land, bildeten bald ein Höhenfeuer aus roten, gelben, orangen Zungen, sprühten Funken, die als Feuerregen vom Wind weitergetragen wurden.

„Da hat mal wieder einer eine Kippe zur Unzeit aus dem Fenster geworfen“, sagte Mihail, als plötzlich ein greller Blitz hinter den Geschwistern aufzuckte, gefolgt von einem Donner, der ihnen fast das Trommelfell zerriss. In kürzester Zeit wurde der Himmel schwarz, und die Wolken zerrissen, als hätte jemande eine Schleuse geöffnet. Ein Stausee stürzte auf die Hügel, auf das Haus, auf den brennenden Wald, zischte auf den Steinen der Terrasse, sammelte sich in den ausgedörrten Schlammrillen zu Sturzbächen, sprudelte meerwärts über tote Grasbüschel und rissige Holzzäune, löschte den Waldbrand, schwemmte die Quallen ins Meer zurück, füllte die Lagune, überschwemmte den Keller. Und hörte so abrupt auf, wie er begonnen hatte.

Ioana öffnete die Terrassentür. Frische strömte ins Haus, und am Horizont zauberte die Abendsonne die letzten Wolkenfetzen lila. Hinter Ioana surrte es – der Ventilator nahm seinen Dienst auf, der Fernseher sprang an, und Mihail hatte auf seinem Smartphone wieder eine Internetverbindung.

„Sie warnen vor Waldbränden und Gewittern“, teilte er Ioana mit. Und grinste.

(Mit Dank an „Christiane“ für die Anregung, aus den zehn Wörtern Badelatschen, Hitzefrei, Höhenfeuer, Liegestuhl, Qualle, Qualm, Schwimmflügel, Sommersprossen, Ventilator und Wassermaler einen Text zusammenzusetzen, in dem Regen eine Rolle spielt; diese Geschichte ist mein zweiter Versuch dazu.)

Jubiläumsfeuer am Wasserturm

Höhenfeuer – die Kinder in Dollingen denken, das habe es hier immer schon gegeben. Dabei ist das erste erst 1967 angezündet worden, genau an meinem elften Geburtstag. Beim Wasserturm. Ich erinnere mich noch gut an das Rennen der Traktoren und Landmaschinen – Mähdrescher, Eggen, Pflüge, was weiß ich was noch … Das fand damals auch zum ersten Mal statt. Am 15. Juli 1967.

Es war ein Samstag, ein Schultag, denn unsere Sommerferien fingen erst am 22. Juli an, und die Samstage waren damals noch nicht zu freien Tagen erklärt.  Wir hatten auf „hitzefrei“ gehofft, aber das Wetter machte uns einen Strich durch die Rechnung, denn das Thermometer zeigte nicht mehr als 18 Grad, und die Schwimmflügel samt den Badelatschen blieben im Hausflur stehen, wo Mama sonst ihre Gummistiefel hinstellte. Am Freitag hatten wir die Badelatschen und Schwimmflügel noch getragen, als wir schlammbraun aus dem Wasser des Dollbachs stiegen, um uns von der Sonne trocknen zu lassen. Heiß war es gewesen, fast wie am Meer, nur ohne Quallen, was ich sehr gut fand. Bei einem einmaligen Kurzbesuch an der Adria hatte ich Bekanntschaft mit einer Qualle gemacht, und seither hatte ich eine Heidenangst vor diesen Biestern. Mamas Stiefel standen am Vortag noch, verkrustet mit Gartenerde, in der Scheune, aber dann kam das Gewitter, und der Sommer machte eine Pause.

So konnte ich meinen Liegestuhl nicht auf die Bummerwiese schleppen (warum die so hieß, weiß ich auch nicht, niemand hat es mir je erklären können), von wo aus man das Höhenfeuer besonders gut sehen sollte. Nicht nur, weil die Bummerwiese über Nacht zum Sumpf geworden war, sondern auch, weil der Gewittersturm den Liegestuhl gegen die Hauswand geworfen hatte, wo er in drei bis fünf Stücke brach, je nachdem, ob man die kleinen Holzsplitter mitzählte oder nicht. Das Holz, das wir zwei Tage früher am Rand des Zupfenwaldes gesammelt hatten, war so nass, als hätten wir es durch den Dollbach geschleift, aber ein anderes Holz gab es nicht, und so würden wir mit dem Qualm leben müssen.

Wir sahen ihn von unserem Wohnzimmerfenster aus, das Mama weit geöffnet hatte, um die Zimmer ein wenig herunterzukühlen nach den vergangenen heißen Tagen. Aber bald schloss sie es wieder, denn der Qualm war tatsächlich so dicht und grau, dass ich fürchtete, daran zu ersticken. Dazu kam der nebligkalte Nieselregen, der in alle Poren drang und mir das Sommerkleid am Leib festklebte. Ich holte meine Strickjacke, die am Haken über dem Schalter hing, mit dem man den Ventilator anschalten konnte, der jetzt natürlich nichts zu tun hatte.

„Nicht einmal deine Sommersprossen kann ich mehr sehen“, versuchte Papa zu scherzen.

„Ha-ha“, kommentierte ich diesen missratenen Versuch, mich aufzuheitern. In den Qualm des Höhenfeuers mischte sich Dieselgestank, als die schweren Maschinen den Berg hoch tuckerten. Gerade noch hatte ich mich gefreut, dass ich wegen der Kühle wenigstens vom Krach des Ventilators verschont geblieben war, aber dessen Geräusch war nichts gegen dieses Gebrumme und Gedröhne.

Der Regen betätigte sich als Wassermaler und zeichnete abstrakte Muster an unsere Fensterscheiben. Dadurch konnten wir kaum erkennen, was sich alles die Straße entlang plagte.

„Da kann ich ja gleich Hausaufgaben machen“, maulte ich. Dafür also hatten meine Freundinnen mir abgesagt? Der Qualm und der Nebel waren so dicht, dass wir nicht einmal den Wasserturm mehr erkennen konnten.

„Das wiederholen die bestimmt nicht“, sagte Papa, „nach diesem Reinfall!“ Er war zufrieden damit, denn er hatte im Vorfeld befürchtet, dass ihm die Maschinen wegen nichts und wieder nichts – eines bloßen Spektakels wegen – für die Ernte nicht zur Verfügung stünden. Das war jetzt egal, denn das Wetter hätte eine Feldarbeit ohnehin unmöglich gemacht, aber wer konnte schon sagen, was für ein Wetter im nächsten Jahr sein würde?

Meine Freundinnen, Anne und Mariele, sind dann übrigens doch gekommen, über die Felder, nass wie Katzen. Wir haben Kekstorte und Erdbeerkuchen gegessen und Flaschendrehen gespielt, und die Hausaufgaben mussten warten.

Auch heute wollen sie kommen, Anne mit ihrem Mann wie die letzten 40 Jahre, Mariele zum ersten Mal allein, denn ihr Mann ist seit letztem November tot. Es ist so kühl wie vor 50 Jahren, aber wir werden unsere Liegestühle zur Bummerwiese fahren lassen, von meinem Schwiegersohn (es gibt jetzt eine asphaltierte Straße dahin, die Wiese ist mit Rasensteinen befestigt, und die Freiwillige Feuerwehr hat Zelte aufgebaut). Dann werden wir, in unsere Regenjacken gehüllt, zum Wasserturm hinüber gucken, wo die Leute vom Schützenverein das Höhenfeuer anzünden werden, wir werden den Qualm riechen, uns über den Nebel ärgern und gegen den Krach der Landmaschinen anschreien. Zum 50. Mal.

Denn Papa, Gott hab ihn selig, hat nicht Recht behalten. Und die Kinder von Dollingen glauben wirklich, das Höhenfeuer habe es schon immer gegeben.

(Mit Dank an „Christiane“ für die Anregung, aus den zehn Wörtern Badelatschen, Hitzefrei, Höhenfeuer, Liegestuhl, Qualle, Qualm, Schwimmflügel, Sommersprossen, Ventilator und Wassermaler einen Text zusammenzusetzen, in dem Regen eine Rolle spielt)

Regenlied

Platze, pletze, plotze, plutze, plitze,
es regnet auf den Spielplatz eine Pfütze,
der Baum beguckt am Gehweg sich sein Spiegelbild,
mein Sandeleimer ist mit Wasser halb gefüllt …
Und ICH darf nicht raus
aus dem Haus!
Das find ich fies.
Wo ich den Regen doch so genieß!

Platze, pletze, plitze, plotze, plutze,
mein Regenmantel hat eine Kapuze,
und meine Gummistiefel mit dem grünen Stern
hab ich vom Papa, und ich mag sie schrecklich gern.
Doch ich darf nicht raus
aus dem Haus.
Das find ich fies.
Wo ich den Regen doch so genieß!

Pletze, plitze, plotze, plutze, platze,
ich schneide meiner Puppe eine Glatze,
den Spielzeugbagger schmeiß ich an der Wand kaputt,
ich hab ganz einfach eine riesengroße Wut.
Denn ich darf nicht raus
aus dem Haus.
Das find ich fies.
Wo ich den Regen doch so genieß!

Platze, pletze, plitze, plutze, plotze,
jetzt ist der Papa sauer, weil ich trotze,
die Mama macht ihr „Du-bist-aber-bös“-Gesicht,
WARUM ich bös bin, das verstehn die beiden nicht.
Ich darf doch nicht raus
aus dem Haus!
Das find ich fies.
Wo ich den Regen doch so genieß!

Platze, plitze, plotze, plutze, pletze,
wie Perlenschleier sind die Spinnennetze,
und wie ein Bär patscht Papa durch das hohe Gras,
die Mama hält den Schirm schief, und ihr Haar wird nass,
und ich renn voraus
und ums Haus.
Das find ich fein.
So sollt ein Regentag immer sein!