Abgereist: Misi und der Nopupa

Misi, der Reisefrosch, der seit dem 8. Januar hier zu Besuch war, ist gestern abgereist. Und nicht genug damit: Er hat Nopupa mitgenommen, das Quatschwörter-Wesen, das zu Sätzen wie „kanater mögert nibist, maniger harst Kunaka“ neigt. Misi war ein wenig traurig, dass die schöne Hüpferei auf meinem Bett mit seinem neuen Freund Bepampam, dem Hüpfewesen, nun vorbei sein soll. Denn bei Frau Holle, wo er zu Hause ist, darf er definitiv nicht am Bett herumhüpfen.

Damit hat sich Bepampam etwas getröstet darüber, dass ich ihm den Gegenbesuch bei Misi verweigert habe. Ich brauche nämlich den Bepampam, er ist dazu da, mich aufzuheitern, wenn mich der Kummer packt. Das ist zwar nicht mehr so oft der Fall wie vor zweieinhalb Jahren, als mein Mann gestorben ist, aber es kommt immer wieder vor. Dann ist Bepampam da, und das ist besser als Schokolade oder Birnenschnaps, denn es macht weder dick noch süchtig. Wobei ich Birnenschnaps sowieso nicht trinke, aber sei’s drum.

Die anderen Anstell-Wesen, das Babymonster und der kleine Dino mit den Stacheln am Rücken und dem bösen Gesicht, das Gespenst ohne Augen und der Bagrami, der mit Vorliebe Bauklötzchen durch die Gegend wirft, waren ziemlich enttäuscht, dass meine Wahl auf den Nopupa gefallen ist. Musste aber sein. Babymonster sind im IGE (InternetGestaltenExpress) fehl am Platz, ihr Geschrei würde die Mitreisenden zum Wahnsinn treiben, und niemand hätte Monster-Mamamilch genug, sie zu beruhigen. Zumal Babymonster dafür ihre Monstermama brauchen und keineswegs mit der Flasche zufriedenzustellen sind. Der kleine Dino ist, wenn er anfängt, grün zu leuchten, weil er Hunger hat, eine Gefahr für die Füßchen aller Anwesenden, die er am liebsten sofort anknabbern würde, das Gespenst ist leider zu sichtbar für den IGE, da es aus einem Seidentaschentuch mit Styroporkopf besteht, und der Bagrami ist  noch zu klein, um zu begreifen, dass er mit seiner Bauklötzchen-Wurfmanie andere verletzen könnte.

Misi wollte aber unbedingt eines meiner Anstell-Wesen zu einem Gegenbesuch mitnehmen, so blieb nur der Nopupa übrig. Er ist meistens vernünftig, und sein Quatsch beschränkt sich auf das Erfinden unsinniger Wörter und Sätze. Damit mag er einen ganzen IGE voller Internet-Gestalten nerven bis zum Geht-nicht-mehr, aber er verletzt wenigstens niemanden, weder andere noch sich selbst, und ich habe versucht, ihm einzuschärfen, dass er auf der Fahrt und während des Besuchs brav sein soll. Er kann sich ja durchaus auf Deutsch (und auch auf Englisch, bei Bedarf) verständigen, wenn er will, es macht ihm nur keinen so großen Spaß.

Seit Misi und der Nopupa weg sind, kommt mir meine Wohnung erstaunlich ruhig vor. Mein Bett sieht fast glatt aus, weil der Bepampam nur ganz bisschen darauf herumgehüpft ist.

„Ohne den Misi ist das nicht lustig“, mault er.

Der Bagrami hockt vor den Bauklötzchen und starrt sie nur an, ohne damit zu werfen.

„Ohne den Misi ist das nicht lustig“, beschwert er sich.

Das Gespenst ohne Augen habe ich heute noch gar nicht gesehen. Es ist einfach in seiner Spielzeugkiste geblieben und scheint zu schlafen.

Der kleine Dino liegt satt und grau und zusammengerollt am Balkon neben der Blumenerde und sagt nicht Mack und nicht Muh.

Als ich ihm die Tür öffne, damit er ins Warme kommen kann, sieht er mich schmollend an:

„Ohne den Misi …“

„Ohne den Misi ist es nicht lustig?“, frage ich. Er nickt nur und antwortet nicht.

Fast finde ich es langweilig hier, wenn es so still ist, denke ich gerade.

Bis ich dieses leise Wimmern wahrnehme, mit dem das Babymonster seine Heulattacken einzuleiten pflegt.

Oh nein! Hoffentlich dauert das nicht an, bis der Nopupa wieder da ist!

Aber wie auch immer: Ich wünsche Misi und dem Nopupa eine gute Reise und dem Nopupa ganz viel Spaß bei seinem ersten Abenteuer als (fast) alleinreisendes Anstell-Wesen.

 

Über Elke H. Speidel

ist Publizistin und Soziologin und arbeitet als Fachautorin, gelegentlich auch als Schriftstellerin, Lebenswegberaterin oder Wissenschaftslektorin.

Veröffentlicht am 23. Januar 2018 in Allgemein, Fantasy, Kürzestgeschichten, Lustige Geschichten, Märchen und mit , , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 7 Kommentare.

  1. Hat dies auf Regenbogen und Freudentränen rebloggt und kommentierte:
    Misi und Nopupa sind unterwegs. Wenn sie den direkten Weg nehmen, müssten sie bald eintreffen. Wenn nicht, wird es spannend. Ob sie dann vielleicht bei Euch plötzlich auftauchen? Wir dürfen gespannt sein…..

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  2. Das glaube ich gerne, dass Misi fehlt. Aber alle werden sich daran gewöhnen und er kann Euch ja irgendwann einma wieder besuchen! Ich bin schon sehr gespannt auf Nopupa! Liebe Grüße vom Regenbogen!

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  3. Liebe Elke,
    Ich glaube, du hast gerade ein großes Geheimnis aufgeklärt.
    Jahrelang fragte ich mich, wo Kahi, die Tageule und der Flugsaurier, auf dem wir bei Spaziergängen ritten und der ewig quengelnde Koala Mimo hin sind.
    Jetzt ist es offenbar, sie verschwanden relativ gleichzeitig mit dem ersten Schritten meines Sohnes am Computer, ergo: Sie sind mit dem InternetGestaltenExpress davon gefahren und begleiten nun andere auf ihren Spaziergängen.
    Hier wohnt dafür mittlerweile ein Otter (sichtbar, da Stofftier), der etwas nervig ist, weil er alles auffrisst, bevorzugt unsere Klos, Fensterbänke, das ganze Treppenhaus. Und kaum hat man alles neu installiert, kehrt er aus der Kita zurück und das Ganze geht von vorne los …
    Bagrami, der Klötzchenwerfer, wäre sein und des Otters Herrchen bester Freund, da bin ich sicher, wenn wir nur nicht diese verflixten Glastüren hätten …
    Schmunzelnde Grüße
    Natalie

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  4. Ach – Kahi heißt die Eule, die neuerdings gelegentlich dem kleinen Dinosaurier mit dem bösen Gesicht und den Stacheln am Rücken auf meinem Balkon Gesellschaft leistet? Sie kommt immer nur tagsüber, ist also wohl eine Tageule. Und sie läuft KEINE Gefahr, dass er ihr die Füßchen abfrisst, denn sie ist definitiv zu schnell für ihn. Häufig spielen sie dieses lustige Spiel: Dino schnappt nach ihren Füßchen, Kahi flattert auf den Baum vor meinem Balkon, Dino guckt durch die Gitterstäbe, Kahi lacht ihn aus, fliegt zurück, wiederholt das Ganze. Wenn er grau und sattgefressen ist, setzt sie sich auf seinen Schwanz und pickt an seinen Stacheln herum. Sie weiß ganz genau, wann er gefährlich wird, die schlaue Eule.

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  5. Schön, Deinen Blog entdeckt zu haben. ☘️
    Liebe Grüße. Priska

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